Junge Menschen sollen einfach früher ins Bett, dann sind sie auch morgens ausgeschlafen

Junge Menschen sollen einfach früher ins Bett, dann sind sie auch morgens ausgeschlafen

Wer früh ins Bett geht, und früh aufwacht, gilt auch heute noch als “ausgeschlafen” und “normal”. Vor allem Jugendliche haben mit dem Dogma zu kämpfen, dass sie sich den frühen morgen selbst versauen, da sie einfach nur früher ins Bett gehen müssten, um morgens ausgeschlafen zu sein.

Dies ist inzwischen widerlegt. Prof. Till Roenneberg, Chronobiologe an der LMU München, nennt dies die “Disco-Hypothese”. Dahinter stehe die Annahme, dass Jugendliche bewusst und gezielt die Nacht zum Tag machen. Die Forschung zeigt hier inzwischen in eine ganz andere Richtung, da für Jugendliche wie für Erwachsene gilt … das natürliche Schlafverhalten ist genetisch bedingt. Und Jugendliche können nicht eher schlafen, sie sind schlichtweg noch nicht müde. Ein 17 jähriger Schüler hat seine genetisch bedingte Schlafmitte im Schnitt um 5.00Uhr morgens. Dies bedeutet eine normale Einschlafzeit von ca. 0.30-1.00Uhr nachts. Damit er bei gleicher Schlafdauer (mind. 8 Stunden) um 6.00Uhr morgens aufwachen, um um 8.00Uhr in der Schule sein zu können, müsste er spätestens um 22.00Uhr einschlafen. Im Sommer würde dies bedeuten (Sommerzeit!!) .. kurz nach Sonnenuntergang. Selbst Erwachsene schaffen dies in den seltensten Fällen .. bzw. wollen es genauso wenig wie die Jugendlichen.

In der Sommerzeit verschärft sich dieses Problem im Übrigen um eine weitere Stunde, da der Schulbeginn nun quasi um 7.00Uhr stattfindet, und die Schüler direkt zu Ihrer genetischen Schlafmitte aus dem Schlaf gerissen werden.

Somit beginnt schlichtweg der Unterricht viel zu früh. “Für Schüler, die um acht oder früher in der Schule sein müssen, startet der Unterricht biologisch gesehen mitten in der Nacht”, sagt Prof. Till Roenneberg.

Michael Wieden beschäftigt sich als Betriebswirt schon seit 2002 mit der „Zeit“ vor allem in Verbindung mit der Chronobiologie und dem Personalmanagement. Schon 2003 hielt er seinen ersten Vortrag (Chronobiologie im Personalmanagement) auf einer Veranstaltung der INQA (Initiative der neuen Arbeit).
Zu denn Themen „Chronobiologie im Personalmanagenement“ sowie mobilen Arbeitsformen hat er bereits Bücher geschrieben, und dabei den Begriff „Liquid Work®“ geprägt.
Michael Wieden ist selbstständiger Unternehmensberater, war von 2012 bis Ende 2016 externer Wirtschaftsförderer für die Stadt Bad Kissingen und Initiator des weltweit einzigartigen Projektes „ChronoCity – Pilotstadt Chronobiologie“. Er hält hierzu im In- und Ausland Vorträge und gibt Interviews. Zudem war er von 2014 bis 2017 Mitglied des Arbeitskreises „Zeitgerechte Stadt“ der ARL – Akademie für Raumforschung und Landesplanung in Hannover.
Aktuell hält er Vorträge zum Thema “Chronobiologie im Personalmanagement” und  “Mobile Arbeitsformen”, udun berät Unternehmen bei der Umsetzung chronobiologischer Ansätze im Bezug auf das BGM.