Fasten in der Nachtschicht – Alternative gegen Diabetes?

Diabetes - Niedrigeres Risiko durch Fasten?

Nachtarbeit erhöht das Risiko für Typ – 2 – Diabetes, das ist wissenschaftlich erwiesen. Wie aber kann man mit Ernährung diesem Risiko entgegenwirken?

Aktuelle Studien geben den Anlass zur Annahme, dass man dem am besten entgegenwirken kann, wenn man schlicht gar nichts isst, sprich: Fasten.

Eine US-amerikanische Studie aus 2021 liefert Belege dafür, dass Fasten während der Nachtschicht die Glucosetoleranz verbessert und so die gesundheitlichen Schäden (z.B. Diabetes) durch Nachtarbeit verringert werden können. Hierzu wurde in einer zweiwöchigen Studie Nachtarbeit simuliert.

Das Vorgehen

In einem 14-tägigen circadianen Vergleich wurde die glykämische Entwicklung während der simulierten Nachtarbeit mit Nacht- oder Tagesessen beobachtet. Die Probanden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe (A) bekam Mahlzeiten nur zu einer simulierten Tageszeit, die andere Gruppe (B) rund um die Uhr, also auch während der simulierten Nachtschicht.

Die Beurteilung der zentralen (Körpertemperatur) und peripheren (Glukose und Insulin) endogenen circadianen Rhythmen erfolgte während konstanter Routineprotokolle vor und nach simulierter Nachtarbeit. In der Gruppe (B) zeigte sich die Glucosetoleranz nach der simulierten Nachtarbeit stärker eingeschränkt als in der Gruppe (A), die während der Nachtschicht gefastet hatte. Die Gruppe (A), die während der simulierten Nachtschicht zusätzliche Mahlzeiten zu sich nahm, zeigte 3 Stunden nach dem Frühstück einen signifikant erhöhten Blutzuckerspiegel im Vergleich zu den Baseline-Werten, die am Morgen zuvor gemessen wurden. Die Gruppe (B), die nachts gefastet hatte, zeigte jedoch ähnliche Blutzuckerwerte wie ohne Nachtarbeit.

Das Ergebnis

„Eine ungleiche Ausrichtung von innerer Uhr und dem täglichen Verhalten, typisch für Nachtarbeiter, beeinträchtigt die Glukosetoleranz, wahrscheinlich aufgrund einer inneren Fehlausrichtung zwischen zentralen und peripheren circadianen Rhythmen.“

Zitat aus der Studie

Dies bedeutet nichts anderes, als dass die Asynchronität zwischen innere Uhr und gesellschaftlichem Takt Ursache für eine problematische Glukosetoleranz sein kann.

Das nächtliche Essen führte zu einer Fehlausrichtung zwischen zentralen und peripheren (Glukose) endogenen circadianen Rhythmen und einer gestörten Glukosetoleranz. Die Beschränkung der Mahlzeiten auf den Tag verhinderte dies.

Auch zeigte sich in der Gruppe, die die nächtliche Mahlzeiten erhalten hatte, eine Desynchronisation von innerem (Körperkerntemperatur) und äußerem endogene Taktgeber (Glucose/Insulin Profil). Diese Desynchronisation war in der Gruppe der Fastenden (B) nicht festzustellen.

Desynchronisiation zwischen zentralen und peripheren endogenen Taktgebern hat zur Folge, dass Organe widersprüchliche Informationen von unterschiedlichen internen Taktgebern erhalten. Das führte offensichtlich zu einer suboptimalen metabolischen Situation.

Fazit: Fasten in der Nachtschicht kann Risiko von Diabetes senken

Es wurde schon in einer früheren Studie aufgezeigt, dass die bevorzugten Mahlzeiten je nach Chronotyp variieren.

Dieser subjektive Eindruck bestätigt sich nun durch die Ergebnisse dieser Studie.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die innere Uhr ist maßgeblicher Impulsgeber für den Metabolismus. Kommt ein externer endogener gegenläufiger Impuls hinzu, wird der Metabolismus gestört. Fasten während der Nachtschicht verhindert die negativen Auswirkungen dieser unterschiedlichen Impulse auf den Metabolismus. Dies wirkte sich somit in diesem Versuch positiv auf die Verhinderung einer Glucoseintoleranz aus. Fasten während Nachtarbeit kann also dabei helfen, Glucoseintoleranz zu vermeiden und so das Risiko für Typ-2-Diabetes für Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter zu verringern.

Diese Studie zeigt einmal mehr, dass die innere Uhr des Körper unbeirrt weiter tickt, egal was wir ihr im Aussen zumuten. Essen zur falschen Zeit ist für den Körper wie nächtliches Sonnenbaden für uns. Wir holen uns eine Erkältung statt braun zu werden.


Quellen:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34860550/